Ende April / Anfang Mai 2001 werden die beiden letzten
zugemieteten Standleitungen aus unserem Netz verschwunden sein.
Im Falle einer Beschädigung durch Fremde
könnten wir beim Funk sofort eingreifen
und für die nicht direkt betroffenen Kunden
manuell Ersatzwege konfigurieren.
Ein manueller Eingriff wird aber ohnehin kaum nötig sein,
denn die in allen Stationen vorhandenen automatischen Ersatzschaltungen
werden solche Fehlerstellen meist bereits nach wenigen Sekunden isolieren
und bis zur Behebung des Fehlers weiträumig umfahren...
Leitungsausfälle und Dienstgüte
In der Telekommunikationsindustrie zählt -
anders als bei der von uns praktizierten Ping- Analyse im Sekundentakt -
in aller Regel erst eine völlig tote Leitung als Ausfall.
Die Deutsche Telekom beispielsweise garantiert
bei 2-Mbps-Standleitungen vom Typ SFV
(monatl. Mietpreis ab rund DM 800,- aufwärts)
eine Verfügbarkeit von 98% im Monatsmittel.
Dies entspricht - rein rechnerisch -
½ Stunde Ausfall täglich!
Wenn Sie einmal genauer wissen wollen
was diese Zahl in der Praxis bedeutet,
dann sollten Sie einen Blick auf eine der aktuellen
T-DSL-Störungslisten im Internet werfen.
Vergleichen Sie einfach einmal die dort gelisteten Aufzeichnungen
mit denen von uns - insbesondere die zeitliche Dauer der Störungen...
Zum Übertragungsverhalten ortsfester Funkstrecken
Die Verfügbarkeit ortsfester Funkstrecken
ist überraschend hoch.
Solche Strecken brechen selten total weg
(Ausfälle durch Firmware-Bugs einmal außer acht gelassen).
Funklöcher mit oder ohne Verbindungsabbruch,
wie sie z.B. beim Handy regelmäßig auftreten,
sind ortsfesten Funkstrecken bei Sichtverbindung völlig fremd.
Der Fehlermechanismus einer sorgfältig konzipierten
ortsfesten Funkstrecke
ist auch ein ganz anderer als der einer Standleitung.
Bei Funkstörungen oder vorübergehenden Pegeleinbrüchen
reduziert sich zwar der Datendurchsatz,
weil die Datenpakete dann z.T. mehrfach wiederholt werden müssen.
Totalausfälle, wie sie bei Standleitungen
z.B. durch den Ausfall eines Multiplexers
oder durch Baggerschäden auftreten,
sind bei ortsfesten Funkstrecken nahezu ausgeschlossen.
Darüber hinaus können in einer zellularen Funkstruktur
wie der unsrigen bei der spontanen Belegung des Funkkanals
ähnlich wie beim Ethernet Kollisionen auftreten,
weshalb sich die beim Ethernet üblichen Kriterien
auch zur Beurteilung unseres Funknetzes anbieten.
Salopp ausgedrückt verhält sich unser Funknetz wie das DeCIX.
Dienstgütemessung per Ping-Analyse
Aufgrund der speziellen Eigenschaften unseres zellularen Funknetzes
und dessen Ethernet-artigem Verhalten haben wir uns entschlossen,
anstatt einer Verfügbarkeit ja oder nein
die Qualität unserer Funkstrecken anhand der Performance
bei der Behandlung von Ping-Paketen zu messen.
Auch wir garantieren Ihnen eine Verfügbarkeit von 98%
bezüglich Totalausfall.
Unser technischer Ehrgeiz dagegen ist wesentlich strenger.
Bei uns zählt nicht nur jedes verloren gegangene Pingpaket als Ausfall.
Wir meinen, dass bereits jedes Pingpaket,
welches länger als eine Sekunde unterwegs ist,
als Ausfall gewertet werden sollte.
Anders ausgedrückt: wir messen nicht nur
die "Stich-Leitung" zu Ihnen,
sondern auch die Qualiät des dahinter liegenden
gemeinsam genutzten Backbones.
Selbstverständlich steht es Ihnen als Anwender frei,
Pingverluste im Promille-Bereich
oder vereinzelt auftretende Verzögerungen
nicht als Ausfall zu werten,
weil dies im normalen Alltagsbetrieb -
beim Surfen etwa - ohnehin belanglos sein dürfte.
Erhöhte Pingzeiten - fast immer die volle Packung
Erhöhte Pingzeiten treten fast immer in rascher Folge
innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne von einigen Minuten auf.
Danach ist der Spuk genauso plötzlich zu Ende wie er gekommen war.
Ausserdem fällt auf, dass der Effekt meist recht exakt vorhersehbar
zu bestimmten Tageszeiten zu beobachten ist.
Eine genaue Analyse mit Histogramm über den Tagesverlauf
ist derzeit in Vorbereitung.
Es zeigt sich aber anhand der Numerierung der Pingpakete schon jetzt,
dass erhöhte Pingzeiten hauptsächlich an Werktagen
bei etwa 32700, 36000, 45000 und 57000 sec auftreten.
Auf Uhrzeiten umgerechnet ergibt dies 9:10, 10:00, 12:30 und 15:45 Uhr.
Also entpuppt sich die von uns durchgeführte Pinganalyse
eigentlich als eine Lastanalyse unseres Netzes.
Klar - wie beim DeCIX...
Wodurch können Funkverbindungen gestört werden?
Lassen Sie uns dies andersherum ausdrücken.
Nach etwa 18 Monaten Erfahrung im Stadtgebiet Münchens
konnten wir keine nennenswerten Behinderungen
unserer Funkstrecken erkennen bei
- starkem Schneefall
- starkem Regen
- Hagel
- Nebel
- Gewitter
- Hitze und Kälte
- Mobilfunk-Basisstationen und Handies im D- und E-Netz
Mir mehr oder weniger ernsthaften Behinderungen
ist dagegen zu rechnen bei
- starkem Wind
- Baukränen
- benachbarten Großsendern mit starken Dauerträgern
Starke Winde
Die Behinderungen bei Stürmen ab 40 km/h -
dazu gehört regelmäßig auch der Münchner Föhn -
haben ihre Ursache in pendelnden Antennenmasten,
wodurch sich die beiden Enden einer Funkstrecke
aufgrund des mit 4° doch recht engen
vertikalen Öffnungswinkels unserer Rundstrahlantennen
(»Pizza-Richtcharakteristik«)
nur noch zeitweise sehen.
Allerdings führt dies keinesfalls zum Totalausfall einer Verbindung,
sondern lediglich zu einer erheblich reduzierten effektiven Datenrate:
verpasst, erwischt, verpasst, verpasst, verpasst, erwischt, verpasst,...
Eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme wäre -
leider bautechnisch selten machbar -
das Abspannen des Antennenmastes.
Baukräne
Einen ähnlichen Effekt haben wir bei Baukränen beobachtet
die sich im Funkweg bewegen.
Dies führt dazu, dass die betroffene Station ständig
Ersatzwege auf- und abbaut -
was massiv an den Ressourcen der Station selbst und deren Nachbarn zehrt.
Als Gegenmaßnahme würden wir
bis zum Abschluss der Baumaßnahmen
eine schwächere Gegenstation fest vorgeben,
sofern diese in einer anderen Richtung wie der Kran liegt.
Erst wenn auch diese ausfällt müssen wir manuell eingreifen.
Hinweis: Reparaturen dieser Art können wir
in aller Regel per Funk ausführen.
Meist gelingt es unserer Leitstelle sogar,
über Funk eine völlig abhanden gekommene Station
innerhalb von 10-15 Minuten wieder einzufangen
und wieder ins Netz einzubinden.
Großsender
Bleibt noch die Nähe von Großsendern wie des Olympiaturms
und mehrerer anderer Senderstandorte im Stadtgebiet.
Gefährlich ist eine räumliche Zusammenballung
mehrerer starker Sender
mit Dauerträgern im Kilowatt-Bereich,
die eigentlich auf ganz anderen Frequenzen senden,
deren Kreuzmodulationsprodukte aber trotzdem mit teilweise erheblichem Restpegel
in unser Frequenzband gespiegelt werden.
Unsere Station findet dann keinen freien Funkkanal mehr vor,
und stellt deshalb - durch unendliches Warten auf einen freien Kanal -
jegliche Verbindungsversuche ein.
Als Gegenmaßnahme hat sich der Einsatz
von Richt- oder Segmentantennen bewährt.
Allerdings reduziert der Verzicht auf eine Rundstrahlcharakteristik
die Zahl der erreichbaren Nachbarn
und damit die Redundanz der betroffenen Station.
In Grenzfällen hilft oft auch das Einschleifen von Dämpfungsgliedern.