Wolf Buchleitner
Eine typische Erfinderkarriere kann Wolf Buchleitner vorweisen.
Ohne jemals studiert zu haben überraschte er 1982 die Audio-Szene
mit dem QUANTEC QRS, einem digitalen Hallgerät,
das weltweit zu den all time favorites der Branche zählt
und längst Legende wurde.
Bei den meisten Kunden nach wie vor unverzichtbar,
sind praktisch alle jemals produzierten Geräte
heute noch täglich im Einsatz.
Voraussetzung für Geräteentwicklungen dieser Dimension
als Einmann-Projekt ist eine lebenslange Beschäftigung
mit Musik und Elektronik.
Die Kindheit
Geboren am 25.6.1954 in Stuttgart und aufgewachsen
in einem 20-Häuser-Dorf nahe Bad Wildbad (Nordschwarzwald)
entdeckte er bereits im zarten Alter von 4 Jahren -
dank der mittlerweile mit Hilfe eines geduldigen Vaters
erworbenen Lesekenntnisse -
in einem Katalog den Märklin-Metallbaukasten.
Das war's!
Zuerst nur von dem beiliegenden echten Schraubenzieher angetan,
später dann von Elektromagneten und -motoren,
sollte dieses Spielzeug für die nächsten Jahre seine
Lieblingsbeschäftigung werden.
Aus dieser Zeit stammt auch die folgende Anekdote.
Irgendwann hatte der Vater - Bauingenieur übrigens -
einige Meter zweiadriges Kabel mitgebracht und dem Sohn gezeigt,
wie er damit Batterie und Lämpchen aus dem Märklinbaukasten
räumlich trennen und so das Lämpchen im Nebenzimmer aufstellen kann.
Der damals Fünfjährige war tagelang fasziniert,
dass er damit das Lämpchen aus der Ferne blinken lassen konnte,
und hat wohl den Effekt auch über mehrere Stockwerke
verifizieren können.
Dies war der Grundstein der Telekommunikation.
Gerade 6 geworden, radelte er begeistert zur wöchentlichen Klavierstunde,
und mit 10 Jahren hatte er sich mit seinem Lötkolben bereits in
sämtlichen Tischdecken des Elternhauses verewigt.
Vermutlich war die Kindheit im einsamen Nordschwarzwald nicht ganz unbeteiligt
an seiner Entwicklung, denn wenn es kaum Nachbarkinder zum spielen gibt,
muß man sich irgendwie anderweitig beschäftigen.
Die Ausbildung
Tja, die ist einfach ausgefallen.
Es gab zwar nach dem an der Waldorfschule in Pforzheim abgelegten Abitur
eine kurze Episode als Student an der Uni Heidelberg,
dies ist aber nach wenigen Monaten bereits wieder eingeschlafen.
Es gab damals einfach viele interessantere Dinge als ein Studium:
Musik und Konzerttouren und natürlich Entwicklungsaufträge.
Wer so früh in ein Fachgebiet eingestiegen ist
muss eben seinen eigenen Weg gehen.
Und dieser eigene Weg führte
nach einer mäßig erfolgreichen Musikerkarriere -
immerhin konnte die Band davon leben - im Jahre 1982 zur Gründung der
QUANTEC Tonstudiotechnik GmbH
in München, deren erster Geschäftsführer er war.
Der professionelle Anspruch
Anders als die meisten seiner Entwicklerkollegen hält Wolf Buchleitner
Prototypen für überflüssig.
Getreu seinem Wahlspruch
»do it right the first time« sieht er in Prototypen
lediglich Armutszeugnisse unkonzentrierter Entwicklerdilettanten.
Sein Maßstab ist es, Pläne für neue Geräte
direkt im Kopf umzusetzen -
sozusagen aus der Idee heraus direkt die Dokumentation
für die Serienproduktion zu erstellen.
Obwohl dies schon bei etwa der Hälfte
seiner Projekte und Konstruktionen gelingt,
ist er damit noch nicht zufrieden.
»Schließlich muß ich gegen 10 Japaner anstinken«,
ist einer seiner Standardsätze...
Von der Funkhausinfrastruktur zur Internetinfrastruktur
In den Jahren 1995 und 1996 gab es viel Lob aus Fachkreisen
für die Entwicklung einer Geräteserie
zur Übertragungstechnik digitaler Audiodaten im Funkhaus (Taktverteilung).
Dieses u.a. im BR-Funkhaus in der Arnulfstraße installierte System
war die Basis für weitere Projekte im Bereich der Telekommunikation.
Wichtigste Forderung dort -
absolute Zuverlässigkeit im 24-Stunden-Betrieb.
Der vorläfig letzte Paukenschlag aus der Abteilung Tontechnik
ist der 1997 zusammen mit Bernhard 'Gustl' Bauer
(Software und Bedienkonzept) entwickelte
QUANTEC Yardstick,
der derzeit auf dem besten Wege ist,
sich wiederum zu einem Kultobjekt zu entwickeln.
Im Zusammenhang mit der Markteinführung des QUANTEC Yardsticks
und den damit verbundenen Arbeiten bei der Erstellung der Website
(mit klickbaren Klangbeispielen im MP3-Format)
wurde Wolf Buchleitner 10 Jahre nach seiner Erstkontamination
ein zweites Mal im Leben vom Internet-Fieber erfasst.
Die µVAX-II bei QUANTEC gehörte zwar bereits 1988
zu den ersten 158 deutschen Internetknoten,
damals gab es allerdings nur 'mail' und 'news'.
Immerhin: die in den frühen 80er-Jahren angeeigneten UNIX-Kenntnisse
liessen sich jetzt wunderbar für LINUX nutzen.
Erfahrungen aus der Übertragungstechnik aus dem digitalen Audiobereich
waren direkt in der Internet-Übertragungstechnik anwendbar.
Aus einem virtuos gelösten Problem aus dem Bereich der EMV
floss monatelange handfeste Praxiserfahrungen mit Hochfrequenz ein.
Und damit war Wolf Buchleitner plötzlich
voll auf der Höhe der Zeit.
Das Projekt »Funknetz« konnte beginnen...